Sportstudios sind gesundheitlich orientiert
Bremerhaven. Wissenschaftler haben die Mitglieder eines großen Fitnesscenters in Bremerhaven befragt und herausgefunden, daß mehr als die Hälfte der Mitglieder über 40 Jahre alt sind und sehr häufig unter Übergewicht, Rückenbeschwerden und Gelenkschäden leiden.
"In den Sportstudios hat sich offenbar ein deutlicher Wandel vollzogen - weg von reinen Muckibuden, hin zu mehr gesundheitlich orientierten Studios", stellte Dr. Walter Samsel, Leiter des Instituts, ein Ergebnis heraus. Noch sei dies allerdings nur eine Momentaufnahme, weil Vergleichserhebungen fehlten. Befragt wurden insgesamt 1227 Sportler - 741 Teilnehmer, rund 60 Prozent, gaben den ausgefüllten Fragebogen wieder ab.
Überraschend ist zunächst die AItersstruktur: 55 Prozent der Mitglieder sind über 40 Jahre alt. Davon ist die Altersgruppe der 55- bis G5jährigen mit über 20 Prozent besonders stark vertreten. Dagegen sind nur weniger als zehn Prozent jünger als 25 Jahre.
Eine Motivation zum Training im Studio vereint aber fast alle: körperlich fit zu werden und etwas für die Gesundheit zu tun. Mit 77 und 57 Prozent der Nennungen wurden diese Motive am häufigsten genannt.,, Gewicht abnehmen" oder eine ,,bessere Figur" kamen dagegen nur auf 43 Prozent und 35 Prozent.
Knapp die Hälfte der Befragten (45 Prozent) gaben an, daß sie unter ge-sundheitlichen Problemen leiden oder litten. Davon hatten oder haben fast alle mit Rückenbeschwerden und Bandscheibenkrankheiten zu kämpfen. Übergewicht ist außerdem für 65 Prozent ein Problem, mit Gelenken und Gelenkverschleiß haben 60 Prozent zu tun, dagegen kreuzten nur 32 Prozent der Befragten Bluthochdruck als ,,gesundheitliche Störung" im Fragebogen an. Mehr als 50 Prozent dieser Studionutzer gaben an, deshalb im vergangenen Jahr zwischen drei und 20 Mal den Arzt aufgesucht zu haben.
Nach Ansicht von Samsel hat nicht zuletzt der Rückgang von Gesundheitskursen und Rückenschulen bei den Krankenkassen dazu gefübrt, daß es diesen Zulauf älterer Sportler in die Fitneßstudios gibt. Auch die Industrie habe sich darauf eingestellt und liefere zunehmend Geräte, die weniger auf Kraft- denn auf Ausdauertraining abzielten. Unbedingt notwendig sei aber eine trainingsbegleitende ärztliche Beratung. Samsel will jetzt in einem Folgeprojekt messen, welchen Gesundheitseffekt man im Fitneßstudio erzielen kann.
Ärzfe Zeitung 08.03.2000